Familien-Tradition


Mal wieder etwas aus unserem Familienalltag:

Naja, vielleicht nicht so sehr Alltag. Wir haben uns diese Weihnachten mal überlegt, wie wir denn die letzten Jahre so Weihnachten verbracht haben. Beim Zusammentragen unserer Erinnerungen haben wir festgestellt, dass unsere einzige ‚Weihnachts-Tradition‘ darin besteht, dass wir irgendwie Weihnachten feiern. Klar erinnern wir uns daran, dass Jesus, der Sohn Gottes seine Herrlichkeit im Himmel verlassen hat und in ganz ärmlichen Verhältnissen ganz als Menschensohn und der ins Fleisch gekommene Christus hier auf Erden geboren wurde. Auch wenn uns bewusst ist, dass das Datum von Weihnachten wohl nicht das Richtige ist, feiern wir gerne Seinen Geburtstag, auch wenn wir ja eigentlich das ganze Jahr über Weihnachten, Ostern und Pfingsten haben. Ist doch viel besser so, oder? ;-)

Nun, wir erzählen Euch also nichts von ‚Christbaum‘ und Weihnachtsliedern, Truthahn oder Weihnachtsgans - auch nicht vom klassischen Familienfest.

In den letzten Jahren waren nicht nur die Orte, sondern auch die Leute mit denen wir Weihnachten verbracht haben, sehr unterschiedlich.

Beim Zusammentragen haben wir uns an Zeiten erinnert, wo wir einen Raum gemietet und Leute von der Strasse eingeladen haben, noch spät in der Nacht nach vereinsamten Menschen gesucht haben um ihnen ein leckeres Essen, Gemeinschaft und frohe Botschaft zu geben. Andere Male haben wir Gott gefragt, wen wir zu uns nach Hause einladen sollen. Nie fühlen Leute ihre Einsamkeit mehr als an Weihnachten. Da können wir auf sehr schöne Erfahrungen zurückschauen.

Einmal haben wir als Familie ein Lichterfest gefeiert, wo wir ganz viele Kerzen angezündet und Bibelstellen zum Thema Licht zitiert haben. Später in der Nacht haben wir dann mit Fackeln einen Gebets-Spaziergang gemacht um Licht in die Welt hinaus zu tragen.

Dann haben sich unsere Kinder auch daran erinnert, wie wir beide Grosseltern zu uns (in Altstätten) eingeladen haben. Da haben wir Lose verteilt mit Aufschriften wie: Schaf, Engel, Esel, Maria, Josef, Jesuskind, … . Ganz spontan musste dann die Weihnachtsgeschichte gespielt werden …

Was aber noch ganz frisch in den Erinnerungen war, waren unsere Weihnachten in Thailand. Nach einem längeren Einsatz in Burma, wor wir visumtechnisch das Land verlassen mussten, haben wir uns auf einer Insel in Thailand mit meinem Bruder und seiner thailändischen Frau getroffen. Ein einfacher Bungalow, Hängematte, Kokospalmen, Meeresrauschen und 35° liessen nicht so viel Weihnachtsgefühle aufkommen.

Statt Schneemann wurde dann ein Sandmann gebaut und zur Feier des Tages gab’s Spaghetti - nachdem wir wochenlang kaum anderes als Reis gegessen hatten.

Als gemeinsames Weihnachtsgeschenk haben wir uns dann ein paar Tage im Luxus-Resort geleistet, was ein unvergessliches Erlebnis war - vor allem im Kontrast mit der vorhergehenden Zeit in Myanmar und noch mehr dem nachfolgenden Monat mitten im Kriegsgebiet im Norden Myanmars, der doch sehr herausfordernd war. Nun, für ein paar Tage liessen wir’s uns richtig gut gehen. Wir hatten alles, was man sich so wünschen kann, inklusive eigenem Pool vor der Zimmertüre, Sicht auf’s Meer mit Sonnenuntergang, … . Was für ein Geschenk!

Das nächste Jahr verbrachten wir Weihnachten in Kreuzlingen, die uns ebenfalls sehr positiv in Erinnerung geblieben sind, auch wenn die ganz anders waren. Nun, da wir eben längere Zeit in Asien verbrachten und auch die verschiedenen Sachen, die uns vorher ein Einkommen verschafften, anderen übergeben hatten, … war dann vor Weihnachten plötzlich gar kein Geld mehr da. Sowas hatten wir schon lange nicht mehr erlebt. Da waren es mehr die Herausforderungen all unsere Missions-Projekte zu finanzieren, aber diesmal war auch für die Familie kein Geld in der Tasche, kein’s auf dem Konto und keins auf der Kreditkarte. Also echt spannend! Dafür hatte ich ein paar Tage zuvor auch erlebt, wie sich Geld in meiner Hand vermehrt hat, … Der Herr hat sein Versprechen immer gehalten uns zu versorgen. Wir mussten auch nie hungern oder in irgend einer Weise leiden.

Aber grad auf Weihnachten war dann gar nichts mehr da. Wir haben den Kindern erklärt, dass es deshalb dieses Jahr keine Geschenke gibt. Das war auch überhaupt kein Problem für keines der Kinder. Niemand hat sich arm gefühlt und wir wussten immernoch, dass wir die gesegnetste unter allen Familien sind.

Es schaute zwar grad nicht so aus ;-) Mein Computer ging kurz vorher bei einem weiteren Kurz-Einsatz in Asien kaputt (viel schlimmer konnte es also nicht mehr werden). Ich war dann am 24. noch unterwegs und kriegte einen Anruf. Freunde wollten am nachmittag noch schnell vorbeikommen und etwas bringen. Ich meinte ganz spontan: „Ja, wenn ihr schon eine Stunde fahrt, dann bleibt doch zum Abendessen und feiert mit uns!“

Wo ich dann meine Frau anrief um Bescheid zu sagen, fand die das ja auch ganz toll - nur, was soll man da kochen? Der Schrank ist grad leer und Geld ist auch kein’s da.

Nun, da ich eben unterwegs war und unseren Hund bei Freunden im Emmental abholte, die ihn eine Zeit bei sich hatten und unterdessen Welpen von ihm verkaufen konnten, haben die mir einen Batzen mitgegeben, der für mehr als nur ein Weihnachtsessen reichte. Ich kam dann kurz vor unseren Gästen noch zuhause an. Die Geschäfte waren aber eine Stunde früher als erwartet schon geschlossen, so gab’s dann noch ein Fondue mit Brot von der Tankstelle. Das war aber auch alles, was es brauchte. Die Gemeinschaft mit den Freunden, die Lobpreis- und Gebetszeit war grossartig. Und dann kam die Bescherung: Die Freunde kamen nämlich, weil der Herr ihnen gesagt hatte uns Geschenke zu bringen - und die waren richtig grosszügig! Für jeden Einzelnen etwas und für mich gar der Betrag, den ich für einen neuen Computer brauchte. Es hat uns ganz besonders berührt, weil die Leute ja nichts von unserer Situation wussten und zudem selber sehr bescheiden mit einem kleinen Einkommen lebten.

Aber, wie sollte es auch anders sein - Gott ist treu und er kümmert sich um die Seinen!

Dass wir die nächsten Weihnachten auf Teneriffa verbringen würden, konnte sich da noch niemand vorstellen. Die waren nämlich auch nochmal ganz besonders:

Es kam nämlich sehr spontan, dass der Herr uns dann im Juli nach Teneriffa sandte. Da wir eben noch nicht wussten, dass wir grad länger bleiben würden, sind wir hier auch nur mit unseren Koffern angekommen. Spielzeug war da keins dabei, was für die Kreativität unserer Kinder auch gar nicht schlecht war. Über Weihnachten kam uns dann eine ganz liebe Familie aus der Schweiz besuchen. Die haben von jemandem einen Extra-Koffer mitgebracht, der vollgepackt war mit Spielzeug. Das war ein Fest beim Auspacken! Am 24. noch bei 25° im Meer zu baden und gemeinsam zu feiern, war ebenfalls einfach schön …

Und das Jahr darauf sind wir am 24. in’s Flugzeug gestiegen und für Fr. 17.-/Person in die Schweiz geflogen. Ein Freund hat uns abgeholt und um Mitternacht sind wir ohne Voranmeldung bei den Grosseltern reingeplatzt. Diesmal hatten Sie die Bescherung! Am darauf folgenden Tag dasselbe bei den anderen Grosseltern. :-D

Und diese Weihnachten waren wir als Familie unter uns hier auf Teneriffa. Wir hatten grad mal drei Tage keinen Besuch, was auch mal schön war. Das spezielle an diesen Weihnachten war, dass irgendwie jedes Kind mit so viel Freude gepackt war, den anderen etwas zu schenken. Jeder hat sich so sein Taschengeld zusammengespart, sich richtig gut überlegt, woran die anderen wohl am meisten Freude haben, und weder Aufwand noch Kosten gescheut, jedem einzelnen etwas tolles zu schenken. So waren wir auch ganz lange mit auspacken der Geschenke beschäftigt und die Freude war riesieg - viel mehr am Schenken als an den Geschenken.

Weihnachten, wann, wo oder wie auch immer man es feiert, ist einfach ein Geschenk und ein Freudenfest!

Wie die Engel schon sagten: ‚Siehe ich verkünde euch grosse Freude …‘

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