Das Geheimnis der Multiplikation


Ist dir schon mal aufgefallen, wie schnell sich das Evangelium zur Zeit der ersten Christen ausgebreitet hat? Angefangen mit den 12 Jüngern, die von Jesus trainiert wurden, und den 120, die an Pfingsten mit dabei waren. Nach der Predigt vom Petrus waren da grad schon 3000 Bekehrte am ersten Tag und täglich wurden Neue zur Gemeinde hinzugefügt. Dann lesen wir nur von ein paar wenigen Begebenheiten, wie der Heilung im Tempel, der darauffolgenden Gefangennahme, der Gebetsgemeinschaft, die die Stätte erbeben liess, von der Gütergemeinschaft der Gläubigen und dem unglücklichen Zwischenfall von Hananias und Saphira. Es können da wohl nur Tage oder ein paar wenige Wochen vergangen sein, und in Kap 5.28 wurde bereits gesagt: ‚Und seht, ihr habt ganz Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre’.

In so kurzer Zeit wurde eine ganze Stadt erreicht und es dauerte nicht lange, so hörte man in Europa schon den Aufschrei: ‚Diese, die den ganzen Weltkreis erregen sind jetzt auch hierher gekommen!’ Die ersten Christen haben innerhalb einer Generation ihre ganze damalige Welt erreicht und buchstäblich auf den Kopf gestellt. (und wohl vermerkt ohne Flugzeuge, Autos, und die vielen technischen Hilfsmittel, die uns heute zur Verfügung stehen.) Was war es, das ihnen soviel Kraft und Effektivität gab?

Von Sammlung zu Sendung

Im Alten Testament wurden Menschen immer wieder herzugerufen zum Ort der Anbetung, zur Versammlung, nach Jerusalem zum Tempel, ... Heiden, die Gott suchten, mussten nach Jerusalem zum Tempel kommen. Alles war auf Sammlung ausgerichtet.

Da kommt Jesus hinein und wendet das Ganze. Plötzlich nicht mehr nur Sammlung, sondern Sendung.

‚Siehe ich sende euch...’‚Gehet hin ...’

Apg 1,8 ,aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.’

Die ersten Christen hatten zwar etwas Startschwierigkeiten und Gott musste ein bisschen mit Verfolgung nachhelfen, aber dann haben sie es wirklich gepackt. Sie gingen hin in die Häuser, haben die ganze Stadt erfüllt (Apg.5.28), predigten das Wort in Judäa und Samarien (Apg.8.1), kamen nach Antiochia (Apg.11.20), wo sie die Barriere zu den Heiden durchbrachen, und von dort ging’s in die ganze Welt hinaus (Apg.13.2).

Doch irgendwann haben die Christen wieder angefangen Kirchenhäuser zu bauen und haben wieder auf Sammlung umgestellt. Auch heute haben wir noch unsere Gebäude, Gottesdienste und alle möglichen Programme und versuchen die Leute irgendwie dorthin zu bringen. Bestenfalls organisieren wir mal eine Evangelisation in einem öffentlichen Gebäude und laden die Leute dorthin ein. Aber können wir damit eine ganze Stadt mit dem Evangelium erfüllen? Können wir wie der Paulus durch seinen Dienst in Ephesus bewirken, dass jeder in der ganzen Provinz das Wort des Herrn hört (Apg.19.10)? Braucht es dafür nicht wieder ganze Gemeinden, die von Sammlung zu Sendung umschalten, Gemeinden, die nicht nur mal einen Missionar oder Evangelisten aussenden, sondern wo jedes Glied zu einem Gesandten, einem Boten an Christi statt wird? Joh.15.16 ‚Ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt.’

Jünger sein

Apg.11.26 ‚In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.’ Die Gläubigen waren zuerst Jünger, das heisst, sie sind Jesus nachgefolgt, haben getan, was er ihnen aufgetragen hat und sind dabei Christus so ähnlich geworden, dass man sie als Christen bezeichnet hat. Heute nennt sich alles mögliche Christ, was aber weit davon entfernt ist, wirklich ein Jünger zu sein.

Was ist ein Jünger? Ein Jünger ist einer, der lernt, der wächst und sich trainieren lässt. Ein Jünger ist einer der arbeitet und dient. Er tut, was der Meister sagt. Mt.21.6 ‚Die Jünger gingen hin und taten, was ihnen Jesus befohlen hatte.’ Ein Jünger folgt seinem Meister nach und wird mehr und mehr wie sein Meister. Jünger sein kostet einen Preis. Mk.8.34: ‚Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.’ Luk.14.25-33: ‚... So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.’

Radikalisierung

Wenn ich das Neue Testament und ganz besonders die Apostelgeschichte studiere, stelle ich eines fest: die wirkliche Gemeinde hat nur aus JÜNGERN bestanden. Hier nur ein paar Beispiele: Apg.6.2,7: Da riefen die Zwölf die Menge der JÜNGER zusammen ... Und das Wort breitete sich aus, und die Zahl der JÜNGER wurde sehr gross in Jerusalem. ... Apg.11.26 In Antiochia wurden die JÜNGER zuerst Christen genannt. Apg. 14.20: ‚...steinigten Paulus ... als ihn die JÜNGER umringten stand er auf ...’ Apg.18.23: ‚... durchzog das Land und stärkte alle JÜNGER.’ ...

Paulus hat jede Plattform genutzt um das Evangelium zu verkündigen und wurde den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche, ... . Ein Paradebeispiel ist die Rede des Paulus auf dem Areopag zu den griechischen Philosophen. Er hat unter seinen Berufskollegen Aquila und Priszilla (Apg.18) gewirkt und immer auch die Plattform der Synagoge gebraucht. Doch immer kam der Zeitpunkt, wo es sich ganz klar unterschieden hat, wer nun ein Jünger ist und wer nicht, wer wirklich zur Gemeinde dazugehört und wer nicht.

In Ephesus zum Beispiel lief es so ab Apg.19.8-10: ‚Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes. Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. Und das geschah zwei Jahre lang, so daß alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen.’

In Korinth war’s genauso: Paulus hat zuerst als Zeltmacher die ersten Kontakte geknüpft, Jünger gemacht und die erste Hausgemeinde gegründet. Gleichzeitig hat er an allen Sabbaten in der Synagoge gelehrt. Auch hier kam’s zu dieser Scheidung Apg.18.6: ‚Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt; ohne Schuld gehe ich von nun an zu den Heiden.’ Genauso wie in Ephesus nahm er die Jünger raus und hat sich hier sogar direkt im Nachbarhaus der Synagoge mit ihnen versammelt. Nach diesem Schritt hat sich etwas entscheidendes gewendet. Wie in Ephesus dadurch in kurzer Zeit die ganze Provinz Asien erreicht wurde, heisst es auch hier: ‚und viele Korinther wurden gläubig und liessen sich taufen.’ Sobald sich herausgestellt hat, wer wirklich Jünger ist, und sich diese zusammengetan haben, wurde nicht mehr länger nur Gemeinde gespielt, sondern die ganze Stadt und Region erreicht. Direkt nach diesem Schritt aus der Synagoge heraus zu Gemeindebau mit Jüngern kam das Wort des Herrn zum Paulus: ‘Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!... denn ich habe ein grosses Volk in dieser Stadt!’ und die Zusage: ‚Ich bin mit dir!’ Plötzlich waren es nicht mehr nur ein paar ‚fromme’ Leute, sondern die ganze Stadt, die da ins Blickfeld rückte.

Wenn ich diese, und viele andere Beispiele anschaue, scheint mir, dass gerade diese Radikalisierung die Auslösung von Wachstum und Multiplikation ist. So müsste man vielleicht in unseren Kirchen und Gemeinden erst mal herausfinden, wer wirklich Jünger ist, diese zusammennehmen und anfangen wirklich Gemeinde zu sein. (Ich bin überzeugt, dass Gott immer eine Zeit vom Werben und Einladen gibt- die auch mal etwas länger als drei Monate dauern kann-, denn er will ja, dass möglichst viele aufwachen und mitkommen)

Gemeinde, die wirklich Gemeinde ist

Die Zeit ist aber schon fortgerückt. Jesus sehnt sich nach seiner Braut, der herrlichen Gemeinde. Wir können es uns heute nicht mehr leisten, uns jahrelang nur um dieselben Leute zu kümmern, die sich zwar Christen nennen, aber doch nicht bereit sind wirkliche Jünger zu sein. Es ist höchste Zeit, dass wir aufhören Gemeinde zu spielen und anfangen wirklich Gemeinde zu sein. Gemeinde, die nicht mehr länger nur ein frommer Club ist, sondern die mit grosser Kraft und Effektivität wieder ihre Stadt und Region, ... und die Enden der Welt erreicht.

Gemeinde soll wie in Ephesus zu einem Trainings-Center für Jünger werden. Gemeinde soll wie in Antiochia ein Sendungs-Zentrum sein und so ihrer Bestimmung nachkommen und den Missionsbefehl erfüllen. Gemeinde soll wie in den Häusern Jerusalems eine Familie sein, wo Bruderschaft wirklich gelebt wird.

Apg 2.42-47 ‚Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.’

So wird die Gemeinde wachsen und sich multiplizieren.

Apg 5,14 ‚Desto mehr aber wuchs die Zahl derer, die an den Herrn glaubten - eine Menge Männer und Frauen.’

Neben den grossen Versammlungen (Festgottesdienste, Konferenzen, ...) scheint die Gemeinschaft der Jünger in den Häusern eine ganz entscheidende Rolle zu spielen.

In Jerusalem: Apg 5,42 ‚und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.’ In Ephesus: Apg 20,20 ‚Ich habe euch nichts vorenthalten, was nützlich ist, daß ich's euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern’ Ebenso in Korinth (Apg.18.7), und an so vielen anderen Orten.

Christentum muss wieder gelebt werden!

Stell dir vor, was geschehen würde, wenn Gemeinde wieder aus Jüngern bestehen würde und wieder anfinge wirklich Gemeinde zu sein!

Thomas Gegenschatz 1999

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